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Tarifverhandlungen - Ein Interview mit dem BDSW (Teil 1)

02.02.21 16:02 • Sophie Blumberg

Heute freuen wir uns, ein Interview mit Martin Hildebrandt, dem stellvertretenden Geschäftsführer des BDSW führen zu können. Es geht um Tarifverhandlungen und Vertragsschließungen in der Sicherheitsbranche. Wir klären die Frage, warum es in Deutschland keine einheitlichen Verträge gibt!

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Hallo Herr Hildebrandt – schön, dass Sie sich zu diesem Interview bereit erklärt haben! Wie laufen Tarifverhandlungen im Allgemeinen ab und welche Parteien sind beteiligt?

Grundsätzlich sind die Tarifvertragsparteien daran beteiligt, also eine Arbeitgeberseite und eine Arbeitnehmerseite. Die Arbeitgeberseite ist entweder ein Unternehmen, wenn es sich um einen Haustarifvertrag handelt oder ein Arbeitgeberverband – so wie der BDSW – der dann die Interessen aller Mitgliedsunternehmen bündelt und die Verhandlungen führt. Und auf der Arbeitnehmerseite ist das in der Regel eine Gewerkschaft, die ja auch ein Zusammenschluss von Arbeitnehmern ist – so wie ein Verband ein Zusammenschluss von Arbeitgebern. In der Regel gibt es – zumindest im Sicherheitsgewerbe –ja schon für nahezu alle Bereiche laufende Tarifverträge. Diese werden dann, je nachdem wie das vertraglich vereinbart ist, in der Regel von der Gewerkschaft zu einem bestimmten Zeitpunkt gekündigt. Dann werden Forderungen gestellt und uns zugeleitet. Darauf trifft man sich zu Verhandlungen und versucht natürlich, auf Arbeitnehmerseite die Forderungen durchzusetzen und auf Arbeitgeberseite, die Interessen der Unternehmen durchzusetzen.

Tarifverhandlungen

Bei den derzeitigen Verträgen, was sind da die wesentlichen Unterschiede zwischen den einzelnen Bundesländern?

Es gibt ganz viele Unterschiede zwischen den Bundesländern. Die Tarifverträge sind von den Strukturen her sehr unterschiedlich, sowohl was die Regelungsbereiche als auch was die Regelungsinhalte angeht. In Berlin sind andere Dinge geregelt als in Bremen beispielsweise. Die Lohnhöhen sind auch unterschiedlich – auch für gleiche Entgeltgruppen. Das liegt daran, dass in den Bundesländern die wirtschaftlichen Voraussetzungen unterschiedlich sind, sowohl was die Gesamtwirtschaft, als auch was die wirtschaftliche Situation der Unternehmen betrifft. Die Lebenshaltungskosten in Baden-Württemberg sind andere als in Mecklenburg-Vorpommern, das hat natürlich auch seinen Niederschlag in den Tarifverhandlungen und den Tarifergebnissen. Und weil wir die Interessen der jeweiligen Landesgruppe vertreten, kommen natürlich auch unterschiedliche Abschlüsse dabei heraus.

Spielt es nur eine Rolle, in welchem Bundesland der Arbeitnehmer arbeitet, oder auch in welchem er wohnt?

Das ist natürlich eine interessante Frage, weil es für beide Möglichkeiten gute Argumente gibt. Für unsere Branche ist das aber eindeutig geklärt: Wir haben in einem eigenen Tarifvertrag festgeschrieben, dass für das Bewachungsgewerbe immer der Ort der Erbringung der Dienstleistung entscheidend ist – das Arbeitsortprinzip. Es gelten immer die Tarifverträge des Ortes, an dem der Mitarbeiter arbeitet.

Sehen Sie bei den momentanen Verträgen einen Unterschied zwischen ehemaligen Ost- und Westgebieten?

Einen Unterschied gibt es, ja. Aber das heißt nicht, dass die Tarifverträge grundsätzlich im Osten niedriger sind als die im Westen. Es gibt im Osten Bundesländer – beispielsweise Berlin und Brandenburg – die schon über ein sehr hohes Tarifniveau verfügen. Dagegen gibt es im Westen Bundesländer, die unter diesem Tarifniveau sind. Man kann nicht sagen, im Osten ist das Tarifniveau grundsätzlich niedriger als im Westen. Es ist wie eben schon beschrieben eine Tatsache, dass die wirtschaftlich stärksten Bundesländer – Baden-Württemberg, Bayern, Nordrhein-Westfalen diejenigen sind, die das höchste Tarifniveau haben. Und die liegen alle im Westen. Aber man kann nicht pauschal sagen: Der Osten ist niedrig, der Westen ist hoch.

Freut euch auf die nächsten Teile des Interviews!

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Sophie Blumberg

Seit Februar 2020 unterstützt Frau Blumberg die SECmarket tatkräftig als Head of Content in den Bereichen Contenterstellung, Social Media und Public Relations. Sie bringt Erfahrung, Motivation und Engagement mit in ihre Position. Das Schreiben ist ihr Element, ob Blogbeiträge, Posts oder wissenschaftliche Beiträge - alles ist möglich!