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Frauen in der Sicherheit - SECmarket fragt nach

28.05.21 07:05 • Sophie Blumberg

Wir sprechen heute mit Diana Stark von der Condition Black Academy. Wir erfahren, wie sie sich als Frau in der Männerdomäne behauptet und wo sie an ihre Grenzen kommt...

Hallo Diana, schön dass du heute mit uns zum Thema Frauen in der Sicherheit sprichst! Wie lief deine berufliche Laufbahn ab / Wie ist dir der Aufstieg gelungen?

Nach der Schule habe ich erstmal Verwaltungsfachangestellte gelernt und abgeschlossen. Ich habe sogar noch ein paar Jahre in dem Job gearbeitet, bevor ich mein Hobby zum Beruf gemacht habe und in die Fitnessbranche gegangen bin. Dort war ich dann über 10 Jahre als selbständige Personal Trainerin tätig, habe eine Ausbildungsakademie mit aufgebaut, habe dort als Dozentin Personal Trainer und Ernährungscoaches ausgebildet und dachte eigentlich, dass ich in dieser Branche alt werden würde. Der Liebe wegen bin ich 2015 nach Berlin gezogen und suchte nach einer neuen Herausforderung. Angefangen habe ich in der Logistik eines mittelständischen Unternehmens, ich habe es einfach als Job gesehen um etwas Geld zu verdienen. Mit der Zeit bin ich mehr und mehr in die Sicherheitsabteilung gerutscht und fand das Feld recht spannend. Die Erfahrungen und meine entwickelte Persönlichkeit aus meiner Selbständigkeit haben mir sehr geholfen, mit Situationen sicher und angemessen umgehen zu können. 2019 habe ich mich dann entschieden den GSSK Abschluss zu machen, um auch rechtlich einfach etwas sicherer zu werden. Ich kaufte mir die Bücher und lernte neben der Arbeit, ging zur IHK Prüfung und bestand.

Parallel dazu kam dann die Dozententätigkeit in der Sicherheitsakademie Berlin. Für die neue Personenschutzausbildung entwickelte ich die Seminare „Optimale Ernährung für Personenschützer“ und „Leistungsoptimierung - Sport für Personenschützer“. Diese Themen in so einer Ausbildung zu behandeln war komplett neu in der Sicherheitsbranche und das Interesse war entsprechend hoch. Außerdem übernahm ich dort zusammen mit Uwe Krüger die Schießausbildung der Personenschützer.

Diana Stark

Was sind deine aktuellen Aufgaben / deine aktuelle Position?

Heute leite ich das Sicherheitsteam in dem mittelständischen Unternehmen. Natürlich fallen eine Menge administrativer Aufgaben wie Dienstplanung, Zuteilung von Aufgaben, Recherche und Korrespondenzen mit den anderen Gewerken in der Firma an. Die Hauptaufgaben sind die Planung von Veranstaltungen mit und ohne Sicherheitsstufe, das Erstellen von Gefährdungsbeurteilungen, die Planung der jeweils eingesetzten Sicherheitsmitarbeiter, Briefings mit Einsatzleitern und Sicherheitsleitungen anderer Veranstaltungen im Haus und entsprechende Absprachen mit Kunden, Sicherheitsfirmen und staatlichen Sicherheitsbehörden. Natürlich stehen wir zwischendurch auch mal selbst an der Tür. Das erdet immer mal wieder und lässt einen nicht den Blick und das Verständnis für denjenigen verlieren, der dort sonst den ganzen Tag stehen und einen guten Job machen muss.

Dazu kommen dann noch die Dozententätigkeit in der Sicherheitsakademie Berlin und die Tätigkeit als Schießausbilderin in der Condition Black Academy.

Kannst du uns etwas zu deinem Hintergrund im Bereich Schusswaffen erzählen?

Angefangen hat alles mit einem Geschenkgutschein 2005 für Großkaliberschießen. Danach hat mich das Schießen nicht mehr losgelassen. Ich habe es immer als interessanten Sport gesehen, in dem es nicht um gewinnen oder verlieren ging, sondern nur um Konzentration, Technik und Training. Für mich war es tatsächliche eine Art Entspannung, einfach zwei Stunden, in denen man alles anderen ausschaltet und sich ausschließlich aufs Schießen konzentriert. Ganz talentlos war ich wohl auch nicht. Nachdem ich nach Berlin gezogen war und mit meinem Lebenspartner das erste Mal zum Schießen gegangen bin, dachte ich, ich kann angeben. Er sagte nur: „Na in die richtige Richtung schießt Du ja schon mal. Den Rest machen wir neu.“ Ich habe es zugelassen, war offen und er hat mich am Anfang richtig geschliffen. Immer nur Basis, Basis, Basis. Ich durfte das erste Jahr ausschließlich auf DOT’s schießen. Keine coolen Übungen, nicht einhändig, immer nur auf den kleinen schwarzen Punkt. Dann sollte ich plötzlich einen Pistol Advanced Kurs mitmachen und habe den ganzen Tag fehlerfrei geschossen, einhändig links und rechts, verschiedene Entfernungen und verschiedenste Übungen, die vorher noch nie geschossen hatte. Das war total erstaunlich und ich war natürlich entsprechend stolz. Der Rest seitdem ist extrem viel Training, Disziplin, Handling und natürlich die Verknüpfung des Schießens ansich mit realen Situationen aus dem Thema Sicherheit und Personenschutz. Gerade dabei profitiere ich sehr von Uwes Erfahrung und lerne immer wieder dazu.

Welche Lehrgänge bietet ihr bei der Condition Black Academy an?

Zunächst einmal haben wir uns auf Lehrgänge für Kurzwaffen spezialisiert. Dort kann man uns wahrscheinlich als die „Basisschleifer“ schlechthin bezeichnen. Die einzelnen Lehrgänge sind: Pistol Basic, Pistol Advanced, Pistol Master I und Pistol Master II. Sie bauen aufeinander auf und sind bei uns nur in dieser Reihenfolge buchbar. Für Anfänger sind diese Lehrgänge genauso geeignet wie für Sportschützen, Jäger und auch langjährige Berufswaffenträger. Passend dazu ist unser Glock Workshop Kurs für diejenigen geeignet, die wie wir hauptsächlich mit Glock arbeiten.

Zusätzlich dazu bieten wir spezielle Lehrgänge wie z.B. Verteidigungsschießen für Berufswaffenträger an. Diese finden geschlossen statt, werden in der Regel von uns individuell erstellt und auf die Bedürfnisse und bereits vorhanden Kenntnisse der Teilnehmer angepasst und ausgerichtet.

Weiterhin widmen wir uns mit dem „Erste Hilfe +“ Lehrgang einem gern unterschätzten und oft verdrängten Thema, nämlich der ersten Hilfe bei Unfällen auf der Schießbahn und der Ausrüstung für ein sinnvolles Medic Pack für das Schießtraining.

Zu guter Letzt haben wir noch ein Personal Shooting im Programm. Dort kann man uns für ein paar Stunden im Einzelunterricht buchen. Dieses Training ist sehr intensiv und effizient und eignet sich besonders für Leute, die wenig Zeit haben und eine individuelle Betreuung bevorzugen.

Wofür wir nicht zur Verfügung stehen ist das sogenannte „Fun-Schießen“, Geburtstage oder Firmenfeiern und ähnlicher Unsinn, bei dem einige Menschen gern mal „ballern“ gehen.

Wie behauptest du dich als Frau in der Branche? Fühlst du dich wohl?

Ich muss gestehen, dass ich ja nie in der klassischen Sicherheit wie in einer Sicherheitsfirma gearbeitet habe und daher auch nur bedingt dahingehend Erfahrungen gemacht habe. Von unseren internen wie externen Sicherheitsmitarbeitern wurde ich immer respektvoll behandelt, wahrscheinlich auch, weil ich sie genauso respektvoll behandele. Schwieriger ist tatsächlich manchmal eher mit Kunden, die muss man oft erst noch von seiner Kompetenz überzeugen. Eine gefestigte Persönlichkeit und eine gute Ausbildung wie die GSSK helfen da natürlich sehr. Ich habe einen guten Hintergrund, mach seit vielen Jahren Kampfsport und kann schießen, das macht zusätzlich Eindruck und gibt mir eine entsprechende Sicherheit für meine tägliche Arbeit.

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Gab es Situationen, in denen du an deine Grenzen gekommen bist?

Das kommt natürlich vereinzelt vor. Aber ich bin ja in einer Position, in der ich mir meine Mitarbeiter aussuchen kann und schicke auch mal jemanden nach Hause wenn ich merke, dass er mich als weibliche Führungskraft nicht akzeptiert. Das macht es einfacher. Beim Schießen ist es am Anfang oftmals schwierig, männliche Teilnehmer in der Ausbildung oder den Lehrgängen davon zu überzeugen, dass Frauen in diesem Bereich auch was können. Aber nach dem ersten Vorschießen ist das in der Regel erledigt und es kommen keine weiteren Diskussionen auf. So eine Skepsis gegenüber weiblichen Sicherheitsmitarbeitern oder Ausbildern wird ja oft auch nicht direkt und ehrlich geäußert. Sie schleicht sich oft unterschwellig durch einige Äußerungen mit ein und man muss da einfach drüber stehen. Wenn man das nicht kann, kann es sicher auf die Dauer sehr zermürbend sein.

Wie nehmen Teilnehmer:innen die Lehrgänge auf?

Das ist sehr verschieden. Am Anfang sind viele Teilnehmer der Meinung, sie brauchen beispielsweise den Pistol Basic Lehrgang nicht, da sie schon seit vielen Jahren schießen. Aber die Erfahrung hat gezeigt, dass sie oft die sogenannte Basis-Ausbildung übersprungen haben, da sie dem einen oder anderen zu langweilig oder auch zu langwierig erscheint und sie lieber gleich die „coolen“ Übungen schießen wollen. Dazu kommt noch, dass die Meisten keinerlei Ausbildung hatten, denn niemand hat ihnen am Anfang gezeigt, wie man richtig steht, die Waffe hält oder sicher handhabt. Daher kann jeder in den Lehrgängen etwas lernen, auch wenn er am Anfang nicht glaubt, dass wir ihm noch etwas beibringen können. Am Ende der Lehrgänge sind sie oft sehr dankbar und niemand hat einen unserer Lehrgänge jemals als Abzocke oder Zeitverschwendung empfunden. Das ist sehr befriedigend und macht uns immer wieder großen Spaß.

Frauen sind leider extrem selten bei unseren Lehrgängen, dabei stellen sie sich oft als gute Schützen heraus, da sie das Thema Schießen tatsächlich etwas anders angehen als Männer. Wir haben auch schon mal einen Pistol Basic – Ladies only Lehrgang entwickelt, aber leider wurde er nicht gut angenommen. Dabei legen wir das Hauptaugenmerk am Anfang stark auf das Thema Sicherheit und Handhabung der Waffe, damit sich gerade Anfängerinnen für die kommenden Schießübungen sicher fühlen. Die Hemmschwelle zum Thema Schießen ist bei Frauen leider immer noch sehr hoch, dabei sind sie sehr begeistert, wenn sie doch mal an einem Lehrgang teilgenommen haben.

Was sind deine Tipps für Interessentinnen / Bewerberinnen?

Das ist gar nicht so leicht zu beantworten, da die Sicherheitsbranche ein wirklich großes Feld mit den unterschiedlichsten Tätigkeiten ist. Für eine zarte Seele ist es sicher nichts.

Man muss sich bewusst dafür entscheiden und sich gut ausbilden lassen. Eine fundierte theoretische Ausbildung gibt Sicherheit und Selbstbewusstsein. Trotzdem darf man nicht vergessen, dass auch Fitness, Selbstverteidigung und Kampfsport dazu gehören. Es kommt natürlich immer darauf an, in welche Richtung man sich entwickeln möchte. Der Bedarf an weiblichen Sicherheitskräften und Personenschützerinnen ist groß und wird in den nächsten Jahren noch steigen. Frauen wirken oft deeskalierend, sie sind meist empathischer und können, klug eingesetzt, ein Sicherheitsteam ungemein bereichern. Genauso können sie aber auch eine Schwachstelle darstellen. Mit guter Ausbildung und körperlicher Fitness sowie einer gefestigten Persönlichkeit kann man aber aus dieser Schwachstelle eine Stärke machen. Leider müssen sich Frauen deutlich mehr beweisen als Männer, bei denen geht man oft automatisch davon aus, dass sie „was drauf haben“. Am Ende muss man einfach abliefern können wenn es darauf ankommt.

Vielen lieben Dank für das Interview!

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Sophie Blumberg

Seit Februar 2020 unterstützt Frau Blumberg die SECmarket tatkräftig als Head of Content in den Bereichen Contenterstellung, Social Media und Public Relations. Sie bringt Erfahrung, Motivation und Engagement mit in ihre Position. Das Schreiben ist ihr Element, ob Blogbeiträge, Posts oder wissenschaftliche Beiträge - alles ist möglich!